Gedichte
Die alten Pfaffen, die laß ich in Ruh,
Die stahlen noch den Reichen das Leder
Und flickten den Armen damit die Schuh.
Doch mit den heut'gen bleib mir zu Hauis;
Ob auf der Kanzel, ob auf dem Katheder,
Ein umgekehrter Crispin ist ein jeder:
Zwar haben sie nicht verlernt das Gemaus –
Doch stehlen sie jetzt den Armen das Leder
Und machen den Reichen Schuhe daraus.

Ludwig Pfau (1821 - 1894)

Gedichte
Wenn ein Liebes dir der Tod
aus den Augen fortgerückt,
such es nicht im Morgenrot,
nicht im Stern, der abends blickt.

Such es nirgends früh und spät,
als im Herzen immerfort,
was man so geliebet, geht
nimmermehr aus diesem Ort.

Justinus Kerner (1786 - 1862)

Gedichte
Die fünf Ursachen.
Nach dem Lateinischen.

Man kann, wenn wir es überlegen,
Wein trinken fünf Ursachen wegen:
Einmal um eines Festtags willen,
sodann vorhandenen Durst zu stillen,
Ingleichen künftigen abzuwehren,
Ferner dem guten Wein zu Ehren,
Und endlich um jeder Ursach willen.

Friedrich Rücker (1788 - 1866)