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Gedichte
Der Esel des Buridan
Rechts Heu und Klee, links Heu und Klee!
Die allerfettsten Weiden –
Dem Esel tut das Wählen weh,
er kann sich nicht entscheiden.
Er schnopert rechts, er schnopert links
und dreht sich dreimal um –
O Buridan, o Buridan,
was ist dein Esel dumm!
Rechts Gras und Korn, links Gras und Korn,
wie knurrt es ihm im Magen!
Und immer wieder geht's von vorn,
er mag die Wahl nicht wagen.
So zwischen beiden bleibt er steh'n
und fällt vor Hunger um –
O Buridan, o Buridan,
was war dein Esel dumm! –
Rechts freie Presse, links Zensur,
rechts Wahrheit, links die Lüge –
Was stehen wir und grübeln nur
und haben's nicht Genüge?
Wir horchen rechts, wir horchen links
und fragen fern und nah –
O Buridan, o Buridan,
wär' doch dein Esel da!
Die Freiheit rechts, links Sklaverei,
wer könnt' es sich verhehlen!
Wir aber steh'n und steh'n dabei
und wissen nicht zu wählen.
So sind wir doch weit ärger noch
und dummer noch fürwahr,
o Buridan, o Buridan,
als wie dein Esel war!
Rechts Heu und Klee, links Heu und Klee!
Die allerfettsten Weiden –
Dem Esel tut das Wählen weh,
er kann sich nicht entscheiden.
Er schnopert rechts, er schnopert links
und dreht sich dreimal um –
O Buridan, o Buridan,
was ist dein Esel dumm!
Rechts Gras und Korn, links Gras und Korn,
wie knurrt es ihm im Magen!
Und immer wieder geht's von vorn,
er mag die Wahl nicht wagen.
So zwischen beiden bleibt er steh'n
und fällt vor Hunger um –
O Buridan, o Buridan,
was war dein Esel dumm! –
Rechts freie Presse, links Zensur,
rechts Wahrheit, links die Lüge –
Was stehen wir und grübeln nur
und haben's nicht Genüge?
Wir horchen rechts, wir horchen links
und fragen fern und nah –
O Buridan, o Buridan,
wär' doch dein Esel da!
Die Freiheit rechts, links Sklaverei,
wer könnt' es sich verhehlen!
Wir aber steh'n und steh'n dabei
und wissen nicht zu wählen.
So sind wir doch weit ärger noch
und dummer noch fürwahr,
o Buridan, o Buridan,
als wie dein Esel war!
Robert Eduard Prutz (1816 - 1872)
Gedichte
Wenn ein Liebes dir der Tod
aus den Augen fortgerückt,
such es nicht im Morgenrot,
nicht im Stern, der abends blickt.
Such es nirgends früh und spät,
als im Herzen immerfort,
was man so geliebet, geht
nimmermehr aus diesem Ort.
aus den Augen fortgerückt,
such es nicht im Morgenrot,
nicht im Stern, der abends blickt.
Such es nirgends früh und spät,
als im Herzen immerfort,
was man so geliebet, geht
nimmermehr aus diesem Ort.
Justinus Kerner (1786 - 1862)
Gedichte
Herr Oluf
Herr Oluf reitet spät und weit,
Zu bieten auf seine Hochzeitsleut.
Da tanzen die Elfen auf grünem Land,
Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand.
"Willkommen, Herr Oluf! Was eilst von hier?
Tritt her in den Reihen und tanz mit mir!"
"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Frühmorgen ist mein Hochzeittag."
"Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
Zwei güldne Sporne schenk ich dir.
Ein Hemd von Seide so weiß und fein,
Meine Mutter bleichts mit Mondenschein."
"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Frühmorgen ist mein Hochzeitstag."
"Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
Einen Haufen Goldes schenk ich dir."
"Einen Haufen Goldes nähm ich wohl;
Doch tanzen ich nicht darf noch soll."
"Und willt, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,
Soll Seuch und Krankheit folgen dir."
Sie tät einen Schalg ihm auf sein Herz,
Noch nimmer fühlt er solchen Schmerz.
Sie hob ihn bleichend auf sein Pferd.
"Reit heim nun zu deinem Fräulein wert!"
Und als er kam vor Hauses Tür,
Seine Mutter zitternd stand dafür.
"Hör an, mein Sohn, sag an mir gleich,
Wie ist deine Farbe blaß und bleich?"
"Und sollt sie nicht sein blaß und bleich,
Ich kam in Erlenkönigs Reich."
"Hör an, mein Sohn, so lieb und traut,
Was soll ich sagen deiner Braut?"
"Sagt ihr, ich sei im Wald zur Stund,
Zu proben da mein Pferd und Hund."
Frühmorgen und als es Tag kaum war,
Da kam die Braut mit der Hochzeitschar.
"Sie schenkten Met, sie schenkten Wein;
Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein?"
"Herr Oluf er ritt in Wald zur Stund,
Er probt allda sein Pferd und Hund."
Die Braut hob auf den Scharlach rot,
Da lag Herr Oluf, und er war tot.
Herr Oluf reitet spät und weit,
Zu bieten auf seine Hochzeitsleut.
Da tanzen die Elfen auf grünem Land,
Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand.
"Willkommen, Herr Oluf! Was eilst von hier?
Tritt her in den Reihen und tanz mit mir!"
"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Frühmorgen ist mein Hochzeittag."
"Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
Zwei güldne Sporne schenk ich dir.
Ein Hemd von Seide so weiß und fein,
Meine Mutter bleichts mit Mondenschein."
"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Frühmorgen ist mein Hochzeitstag."
"Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
Einen Haufen Goldes schenk ich dir."
"Einen Haufen Goldes nähm ich wohl;
Doch tanzen ich nicht darf noch soll."
"Und willt, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,
Soll Seuch und Krankheit folgen dir."
Sie tät einen Schalg ihm auf sein Herz,
Noch nimmer fühlt er solchen Schmerz.
Sie hob ihn bleichend auf sein Pferd.
"Reit heim nun zu deinem Fräulein wert!"
Und als er kam vor Hauses Tür,
Seine Mutter zitternd stand dafür.
"Hör an, mein Sohn, sag an mir gleich,
Wie ist deine Farbe blaß und bleich?"
"Und sollt sie nicht sein blaß und bleich,
Ich kam in Erlenkönigs Reich."
"Hör an, mein Sohn, so lieb und traut,
Was soll ich sagen deiner Braut?"
"Sagt ihr, ich sei im Wald zur Stund,
Zu proben da mein Pferd und Hund."
Frühmorgen und als es Tag kaum war,
Da kam die Braut mit der Hochzeitschar.
"Sie schenkten Met, sie schenkten Wein;
Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein?"
"Herr Oluf er ritt in Wald zur Stund,
Er probt allda sein Pferd und Hund."
Die Braut hob auf den Scharlach rot,
Da lag Herr Oluf, und er war tot.
Johann Gottfried von Herder (1744 - 1803)








